Nicht jede Stunde des Tages konvertiert gleich gut. Wer um 3 Uhr morgens dieselben Gebote zahlt wie um 19 Uhr abends, verschenkt Budget. Dayparting – die zeitbasierte Steuerung von Geboten und Budgets – ist eines der wirkungsvollsten und zugleich am meisten missverstandenen PPC-Werkzeuge auf Amazon. Seit 2023/2025 unterstützt Amazon das Format auch nativ.
Stellen wir uns zwei identische Kampagnen vor. Beide bewerben dasselbe Produkt, mit denselben Keywords, demselben Tagesbudget. Der einzige Unterschied: Kampagne A zahlt rund um die Uhr dieselben Gebote. Kampagne B erhöht die Gebote in den umsatzstarken Abendstunden und reduziert sie nachts. Nach vier Wochen hat Kampagne B einen deutlich niedrigeren ACoS bei gleichem oder höherem Umsatz. Das ist Dayparting.
Dayparting (auch „Ad Scheduling“ oder „Hourly Bidding“) ist die Praxis, Werbe-Gebote und -Budgets nach Tageszeit und Wochentag zu steuern. Das Prinzip dahinter: Conversion-Wahrscheinlichkeit, Wettbewerb und Klickpreise schwanken im Tagesverlauf erheblich. Wer diese Muster kennt und das Budget gezielt in die profitabelsten Zeitfenster lenkt, holt mehr aus demselben Budget heraus.
Was Dayparting genau bedeutet
Dayparting bedeutet, die Gebote, Budgets und ggf. Platzierungs-Modifier einer Kampagne auf stündlicher oder tageszeitlicher Basis anzupassen. Statt eine Kampagne 24/7 mit identischen Geboten laufen zu lassen, werden die Gebote in profitablen Zeitfenstern erhöht und in schwachen reduziert – oder die Kampagne wird in unrentablen Stunden ganz pausiert.
Die Grundlage jeder Dayparting-Strategie sind stündliche Performance-Daten: Wann klicken Kunden? Wann kaufen sie? Wann ist der Klickpreis (CPC) hoch, wann niedrig? Aus diesen Mustern ergibt sich eine „Heatmap“ der besten und schlechtesten Werbezeiten – und daraus wiederum die Steuerungsregeln.
Der „CPC Bid Rush“ – warum die Tageszeit den Klickpreis bestimmt
Um zu verstehen, warum Dayparting funktioniert, muss man einen wenig bekannten Mechanismus von Amazon kennen: Amazon setzt die Tagesbudgets aller Werbetreibenden um Mitternacht zurück. Das hat eine direkte Folge für den Wettbewerb im Tagesverlauf.

Der Effekt: In den ersten Stunden nach Mitternacht haben alle Werbetreibenden wieder volles Budget. Der Wettbewerb – und damit der CPC – ist hoch („CPC Bid Rush“). Im Tagesverlauf laufen budgetlimitierte Werbetreibende leer, der Wettbewerb sinkt, der CPC fällt. Gleichzeitig variiert die Conversion Rate: Sie ist oft am Abend, wenn Menschen entspannt einkaufen, am höchsten.
Die Kernerkenntnis: Es geht bei Dayparting nicht nur darum, „wann gekauft wird“, sondern um das Zusammenspiel aus drei Faktoren – Conversion Rate (wann kaufen Kunden?), CPC (wann ist Werbung teuer?) und Wettbewerb (wann sind Konkurrenten aktiv?). Das ideale Zeitfenster ist dort, wo hohe Conversion auf niedrigen oder mittleren CPC trifft. Diese Fenster zu finden, ist der eigentliche Wert von Dayparting.
Wie Dayparting auf Amazon umgesetzt wird – drei Methoden
Es gibt drei grundsätzliche Wege, Dayparting auf Amazon zu betreiben – von der nativen Amazon-Funktion über manuelle Lösungen bis zu spezialisierten Tools.
| Methode | Wie es funktioniert | Stärke | Limitierung |
|---|---|---|---|
| Amazon Schedule-based Bid Rules | Native Amazon-Funktion (seit 2025 für Sponsored Products): Regeln, die Gebote zu bestimmten Tageszeiten/Wochentagen automatisch erhöhen. | ✓ Kostenlos, nativ, keine Drittanbieter nötig | ✗ Kann Gebote nur erhöhen, nicht senken |
| Manuelles Dayparting (Kampagnen-Duplikat) | Zwei identische Kampagnen (A & B) mit unterschiedlichen Geboten, manuell zu festen Zeiten pausiert und aktiviert. | ~ Volle Kontrolle, kostenlos | ✗ Sehr zeitaufwendig, fehleranfällig, nicht skalierbar |
| Drittanbieter-Tools (z. B. EPWR, Pacvue, Seller Labs) | Spezialisierte PPC-Tools analysieren stündliche Daten automatisch und steuern Gebote/Budgets in beide Richtungen (erhöhen und senken). | ✓ Voll automatisiert, Bid-Senkung möglich, Heatmaps | ~ Kostenpflichtig, Tool-Abhängigkeit |
Schritt für Schritt – die kostenlose Amazon-Funktion
Wann sich Dayparting lohnt – und wann nicht
+ Dayparting lohnt sich, wenn…
- Das Budget regelmäßig vor Tagesende erschöpft ist (Budget-Limitierung vorhanden)
- Klare Conversion-Muster nach Tageszeit erkennbar sind
- Das Produkt eine ausgeprägte Kaufzeit hat (z. B. B2B werktags, Freizeitprodukte abends)
- Bei begrenztem Budget die profitabelsten Stunden priorisiert werden sollen
- Genug Datenvolumen vorliegt, um statistisch valide Muster zu erkennen
− Dayparting lohnt sich nicht, wenn…
- Eine reine Wachstumsstrategie verfolgt wird (man will keine Interessenten verpassen)
- Das Budget ohnehin nie ausgeschöpft wird (keine Limitierung = kein Sparpotenzial)
- Zu wenig Datenvolumen vorliegt (Muster sind dann Zufallsrauschen)
- Das Produkt über den Tag gleichmäßig gekauft wird (kein erkennbares Muster)
- Der Verwaltungsaufwand den Nutzen übersteigt (zu kleine Kampagnen)
Wichtiger Einwand bei Wachstumszielen: Wer eine aggressive Wachstums- oder Launch-Strategie verfolgt, sollte mit Dayparting vorsichtig sein. Das Ausschließen bestimmter Tageszeiten bedeutet immer auch, potenzielle Kunden in diesen Fenstern nicht zu erreichen. In der Launch-Phase, wenn Sichtbarkeit und Sales-Velocity wichtiger sind als ACoS-Optimierung, kann Dayparting kontraproduktiv sein. Die Nachtstunden mit niedrigeren Geboten laufen zu lassen ist meist sinnvoller, als sie ganz zu pausieren.
Vier typische Dayparting-Anwendungsfälle

7 OMNIFOX Praxistipps zu Amazon Ads Dayparting
Was den Unterschied zwischen echtem Effizienzgewinn und vermeintlicher Optimierung ausmacht.
Mindestens 4–8 Wochen Daten sammeln, bevor Dayparting-Regeln gesetzt werden
Der häufigste Fehler: Dayparting auf Basis weniger Tage einführen. Eine einzelne starke oder schwache Stunde kann reines Zufallsrauschen sein. Erst ab 4–8 Wochen stündlicher Daten lassen sich statistisch valide Muster von Zufall unterscheiden. Wer auf zu dünner Datenbasis Regeln setzt, optimiert auf Rauschen – und verschlechtert die Performance oft, statt sie zu verbessern. Geduld bei der Datensammlung ist die Grundvoraussetzung.
Nicht nur auf Conversion schauen – den CPC-Bid-Rush mitdenken
Viele Dayparting-Strategien fokussieren ausschließlich auf die Conversion Rate. Das ist die halbe Wahrheit. Eine Stunde mit mittlerer Conversion, aber sehr niedrigem CPC (weil Wettbewerber-Budgets erschöpft sind) kann profitabler sein als eine Peak-Stunde mit hoher Conversion und hohem CPC. Die richtige Kennzahl ist nicht Conversion allein, sondern der effektive ACoS pro Stunde – das Zusammenspiel aus CPC, Conversion und Wettbewerb.
Die native Amazon-Funktion erhöht nur – das Basis-Gebot entsprechend niedrig ansetzen
Da Amazons Schedule-based Bid Rules Gebote nur erhöhen, nicht senken können, gibt es einen cleveren Workaround: Das Basis-Gebot auf das Niveau der schwachen Stunden setzen – und dann per Schedule-Regel in den profitablen Stunden nach oben boostern. So zahlt man in schwachen Stunden automatisch weniger (Basis-Gebot) und in starken Stunden mehr (Basis + Erhöhung). Das simuliert eine bidirektionale Steuerung mit der unidirektionalen Funktion.
Dayparting ist ein Effizienz-Tool, kein Wachstums-Tool – richtig einordnen
Dayparting dient primär der ACoS-Optimierung und Budget-Effizienz – nicht dem Wachstum. In der Launch-Phase oder bei aggressiven Marktanteilszielen ist Dayparting oft kontraproduktiv, weil es Reichweite einschränkt. Die richtige Einordnung: Dayparting kommt zum Einsatz, wenn eine Kampagne reif ist, klare Muster zeigt und das Ziel Effizienz statt maximaler Reichweite ist. Wer noch wächst, lässt Nachtstunden lieber mit niedrigeren Geboten laufen, statt sie zu pausieren.
Während Prime Day & BFCM gilt eine andere Dayparting-Logik
Die normalen Tagesmuster gelten während Peak-Events nicht. Während Prime Day oder Black Friday sind Kunden zu unüblichen Zeiten aktiv, der Wettbewerb ist extrem, und die Conversion-Fenster verschieben sich. Dayparting-Regeln, die im Normalbetrieb gut funktionieren, sollten für Peak-Events ausgesetzt oder durch event-spezifische Regeln ersetzt werden. Hier hilft die Analyse der Share-of-Voice-Daten vergangener Events, um die Hochphasen zu identifizieren.
Ab einer bestimmten Kampagnenzahl lohnt sich ein automatisiertes Tool
Manuelles Dayparting über Kampagnen-Duplikate ist bei 2–3 Kampagnen machbar, wird aber bei einem größeren Portfolio schnell unbeherrschbar. Ab etwa 10–15 aktiv zu steuernden Kampagnen rechtfertigt sich ein spezialisiertes Tool, das stündliche Daten automatisch analysiert und Gebote in beide Richtungen steuert – inklusive der Bid-Senkung, die Amazons native Funktion nicht bietet. Der Zeitgewinn und die bidirektionale Steuerung machen den Tool-Einsatz dann wirtschaftlich.
Wochentag-Muster sind oft stärker als Tageszeit-Muster – beide prüfen
Dayparting wird oft auf Stunden reduziert – dabei sind Wochentag-Unterschiede häufig noch ausgeprägter. Viele Produkte zeigen am Wochenende ein völlig anderes Kaufverhalten als werktags. Eine gute Dayparting-Strategie analysiert beide Dimensionen: Tageszeit UND Wochentag. Manchmal ist die wertvollste Erkenntnis nicht „abends sind die Gebote zu erhöhen“, sondern „sonntagabends konvertiert dieses Produkt doppelt so gut wie dienstagmorgens“.
Fazit: Dayparting ist ein präzises Effizienz-Instrument – mit klaren Grenzen
Dayparting gehört zu den fortgeschrittensten Hebeln im Amazon-PPC-Management. Richtig eingesetzt, senkt es den ACoS und steigert die Budget-Effizienz spürbar – Performance-Verschiebungen um die 18 % innerhalb weniger Wochen sind realistisch. Seit Amazon stündliche Reports und native Schedule-based Bid Rules anbietet, ist die Einstiegshürde deutlich gesunken.
Aber Dayparting ist kein Universalwerkzeug. Es setzt ausreichend Daten, klare Conversion-Muster und ein Effizienzziel voraus. Wer wächst, sollte vorsichtig sein. Wer ein reifes, budgetlimitiertes Portfolio mit erkennbaren Tagesmustern steuert, hat in Dayparting eines der wirkungsvollsten Feintuning-Instrumente, die Amazon Advertising bietet – vorausgesetzt, man kennt die native Erhöhungs-Limitierung und plant das Basis-Gebot entsprechend.