Zwei Programme, ein gemeinsames Ziel: die Vendor-Logistik radikal vereinfachen. Acapulco verwandelt die Bestellung einzelner ASINs in sortenreine Palettenbestellungen. Amazon Freight übernimmt den Transport mit Amazons eigener Spedition. Vendoren, die beides kombinieren, berichten von drastisch reduzierten Chargebacks, Anlieferung binnen 1,5 Tagen – und deutlich weniger Arbeit.
Vendor-Logistik ist kompliziert: gemischte Bestellungen, Versandeinheiten in krummen Mengen, Paketversand mit hohen Chargeback-Risiken, lange Laufzeiten. Zwei Amazon-Programme adressieren genau diese Schmerzpunkte – und entfalten ihre volle Wirkung erst in Kombination: Acapulco (das Palettenbestell-Programm pro ASIN) und Amazon Freight (Amazons eigene Spedition).
Acapulco
Pallet Ordering pro ASIN
Verwandelt die Bestellung einzelner, registrierter ASINs in sortenreine Palettenbestellungen. Statt krummer VE-Mengen bestellt Amazon ganze Paletten – über einen eigenen Sub-Vendor-Code.
Amazon Freight
Amazons eigene Spedition
Amazons eigener Frachtdienst transportiert palettierte Ware zwischen Lagern und FCs. Für Vendoren bedeutet das: schnellere, planbarere Anlieferung mit Amazons eigenem Carrier-Netzwerk.
Acapulco – das Palettenbestell-Programm pro ASIN
Was Acapulco genau macht
Acapulco ist Amazons ASIN-reines Palettenbestellprogramm. Statt einzelne Versandeinheiten (VE) in beliebigen Mengen zu bestellen, generiert Amazon für registrierte ASINs Bestellungen in ganzen, sortenreinen Paletteneinheiten.
Der Vendor erhält dafür einen eigenen, separaten Vendor-Code (Sub-Vendor-Code) für das Pallet Ordering. Unter diesem Code sind ausschließlich die angefragten und von Amazon bestätigten ASINs gelistet. Bestellt wird dann nur noch palettenweise – eine Palette enthält jeweils nur eine ASIN (sortenrein).
Der Weg ins Programm – Schritt für Schritt
Die Vorteile von Acapulco

Amazon Freight – Amazons eigene Spedition
Amazon Freight ist Amazons hauseigener Frachtdienst. Ursprünglich aufgebaut, um die Abhängigkeit von externen Paketdiensten zu reduzieren und die Lieferkapazität zu erhöhen, transportiert Amazon Freight palettierte Ware zwischen Lagern, Fulfillment-Centern und weiteren Logistikstandorten. Auf einigen europäischen Routen kommen auch intermodale Verkehre zum Einsatz, die Straße mit Schiene oder See kombinieren.
Was Amazon Freight für Vendoren bedeutet
Für Vendoren ist Amazon Freight die Möglichkeit, den Transport zu Amazon über Amazons eigenes Carrier-Netzwerk abzuwickeln – statt über Paketdienste oder externe Speditionen. Im Zusammenspiel mit dem „WePay“-Modell organisiert Amazon die Frachtabholung über sein Netzwerk (inklusive Amazon-eigener LKWs), und der Vendor zahlt einen verhandelten Freight-Allowance-Prozentsatz.
Der Vorteil liegt in Geschwindigkeit, Sichtbarkeit und Verlässlichkeit: Amazons Logistiksystem bietet mehr interne Transparenz über den Sendungsstatus – und Vendoren berichten von Anlieferzeiten von rund 1,5 Tagen.
WePay vs. TheyPay – wer organisiert den Transport?
Bei Amazon Freight im Vendor-Kontext gibt es zwei grundsätzliche Modelle, die festlegen, wer den Transport organisiert und bezahlt.
WePay (Collect)
Amazon organisiert die Frachtabholung über sein Netzwerk – inklusive Amazon-eigener LKWs (Amazon Freight). Der Vendor zahlt einen verhandelten Freight-Allowance-Prozentsatz. Hier kommt Amazon Freight als Transportarm zum Einsatz. Höher-volumige Vendoren können unter dem Collect-Modell zusätzliche Programme freischalten.
TheyPay (Prepaid)
Der Vendor wickelt den Versand über seinen eigenen Carrier ab. Amazon ist nicht direkt am Transport beteiligt. Der Vendor trägt die Frachtorganisation selbst – und behält damit mehr Kontrolle, aber auch mehr Aufwand und Verantwortung.
Die richtige Wahl hängt von Volumen und Service-Level ab. Höher-volumige Vendoren können unter dem WePay-/Collect-Modell zusätzliche Amazon-Programme freischalten – etwa Full-Truckload-Shipments oder sogar Drop-Trailer-Programme. Bei niedrigem Volumen oder spezifischen Service-Anforderungen kann TheyPay mit dem eigenen Carrier die bessere Wahl sein.
Was höher-volumige Vendoren freischalten können
Full-Truckload (FTL) Shipments
Wer regelmäßig einen ganzen LKW füllen kann, dem routet Amazon Bestellungen als Komplettladungen direkt vom Lager zu bestimmten FCs. Das reduziert Handling und kostet oft weniger pro Einheit als LTL (Teilladung).
Drop-Trailer-Programme
Für sehr große Vendoren: Amazon stellt einen leeren Anhänger am Standort des Vendors ab, der nach Belieben beladen wird. Ist er voll, tauscht Amazon ihn gegen einen leeren. Das eliminiert starre Abhol-Zeitfenster und hält den Warenfluss am Dock fließend.
Acapulco + Amazon Freight in Kombination
Ein Vendor berichtet im Amazon Vendor Forum von der Kombination beider Programme: Drei ASINs sind im Acapulco-Programm registriert, versendet wird ausschließlich sortenrein palettiert – und seit etwa Juli ausschließlich mit Amazon Freight. Das Ergebnis: Chargebacks haben sich im Vergleich zum früheren Paketversand per DHL drastisch reduziert, die Anlieferung erfolgt mit Amazon Freight innerhalb von rund 1,5 Tagen vor Ort – und der Gesamtaufwand ist deutlich gesunken. Das Fazit des Praktikers: deutlich weniger Arbeit bei besserer Performance.[2]
Paletten-Anforderungen – worauf zu achten ist
Wer palettiert anliefert, muss Amazons Palettenanforderungen einhalten. Diese Standards sind nicht verhandelbar und bei Nichteinhaltung selbst eine Chargeback-Quelle.[1]
| Anforderung | Standard |
|---|---|
| Material | ISPM-15 hitzebehandelte Holzpaletten (Schädlingsfreiheit für den Transport) |
| Größe | Standard-Maße nach Amazon-Vorgabe; passend für FC-Equipment und Laderampen |
| Max. Höhe | Begrenzt (inkl. Palette) – zu hohe Paletten sind schwerer sicher zu bewegen |
| Max. Gewicht | Nach Amazon-Vorgabe begrenzt – zu schwere Paletten gefährden Equipment & Sicherheit |
| Paletten-Labels | Pallet-ID-Label auf allen vier Seiten; bei LTL über Amazon Freight Labels aus dem Portal |
| Sicherung | Shrink-Wrap (Folierung), damit die Palette im Transit nicht auseinanderfällt |
Wichtig für die Fehlervermeidung: Die in der ASN (Amazon Shipment ID / ARN) avisierte Menge muss exakt der physisch versendeten Menge entsprechen. Eine abweichende Menge ist ein sicherer Chargeback-Trigger. Ebenso wichtig: Sendungsabmessungen und -gewichte beim Frachtbuchen korrekt angeben – wer die Palettenzahl unterschätzt und Amazons LKW findet mehr Ware vor als erwartet, riskiert, dass die überschüssige Ware stehen bleibt.
Einordnung: Acapulco & Amazon Freight im Co-op-Gefüge
Sowohl Acapulco als auch die Freight-Modelle sind Teil der Co-op-Vereinbarungen (Cooperative Agreements) zwischen Vendor und Amazon. Diese decken verschiedene Vendor-Betriebskosten ab – darunter Frachtkosten (bei WePay), Rücksendekosten und sehr spezifische Programme.[4]
Co-op-Vereinbarungen fallen in fünf Hauptkategorien: Freight- bzw. Damage-Allowances (berechnet auf Basis der monatlichen Wareneingänge in Amazon-FCs) · Volume Incentives (Rabatte für erreichte Verkaufsvolumina) · Straight Payments (feste Beträge für bestimmte Services/Programme) · sowie programmspezifische Abzüge wie PICS, AVS (Account Support) und eben Acapulco (Pallet Ordering). Wer Acapulco oder Amazon Freight nutzt, sollte diese Posten in der jährlichen Verhandlung im Blick behalten.
7 OMNIFOX Einschätzungen zu Acapulco & Amazon Freight
Was Vendoren wissen sollten, bevor sie die Programme akzeptieren.
Die volle Wirkung entsteht erst in der Kombination beider Programme
Acapulco und Amazon Freight sind einzeln nützlich – aber ihre Stärke entfalten sie zusammen. Sortenreine Paletten (Acapulco) lassen sich über Amazon Freight besonders effizient transportieren, weil palettierte Ware genau das ist, wofür Amazons Frachtnetzwerk optimiert ist. Praxisberichte zeigen den größten Effekt – drastisch reduzierte Chargebacks plus schnelle Anlieferung – gerade bei der kombinierten Nutzung. Wer nur eines der beiden nutzt, lässt Potenzial liegen.
Acapulco lohnt sich bei wenigen, volumenstarken ASINs
Pallet Ordering pro ASIN ist nicht für das gesamte Sortiment gedacht. Der ideale Kandidat ist eine ASIN mit hohem, stetigem Volumen, die sich sinnvoll palettenweise bestellen lässt – ein klassischer A-Artikel oder Bestseller. Praxisbeispiele zeigen Vendoren mit nur einer Handvoll registrierter ASINs im Programm. Die Empfehlung: zuerst die umsatzstärksten, gleichmäßig nachgefragten Artikel identifizieren und nur diese für Acapulco anmelden – nicht das ganze Long-Tail-Sortiment.
Den ~5 %-Abschlag gegen die Chargeback-Ersparnis rechnen
Der Acapulco-Konditionsabschlag (Praxiswert um 5 %) ist die offensichtliche Kostenseite. Der größte Nutzen ist weniger sichtbar: drastisch reduzierte Chargebacks. Wer aktuell unter hohen Chargeback-Raten beim Paketversand leidet, für den kann der Abschlag durch die Chargeback-Ersparnis allein gerechtfertigt sein – plus dem eingesparten Verwaltungsaufwand. Die ehrliche Gegenrechnung: aktuelle durchschnittliche Chargeback-Kosten pro Lieferung plus interner Aufwand, verglichen mit dem 5 %-Abschlag auf die betroffenen ASINs.
Den separaten Pallet-Ordering-Code im Reporting sauber abbilden
Acapulco läuft über einen eigenen Sub-Vendor-Code – das hat Konsequenzen fürs Reporting. Die im Acapulco-Code registrierten ASINs erscheinen getrennt vom Haupt-Vendor-Code, was bei der Umsatz- und Performance-Analyse leicht zu Doppelzählungen oder Lücken führt. Wer mit einem datengetriebenen Reporting arbeitet, sollte den Sub-Vendor-Code von Anfang an sauber in die Datenstruktur integrieren – sonst verzerren die getrennten Codes die Gesamtsicht auf die betroffenen ASINs.
ASN-Menge und physische Menge müssen exakt übereinstimmen
Auch mit Acapulco und Amazon Freight bleibt die ASN-Genauigkeit kritisch. Eine avisierte Menge, die nicht der physisch versendeten entspricht, ist ein sicherer Chargeback-Trigger – und macht den Vorteil der palettierten Anlieferung zunichte. Ebenso wichtig: Palettenzahl, Abmessungen und Gewicht beim Frachtbuchen korrekt angeben. Wer die Palettenzahl unterschätzt, riskiert, dass Amazons LKW überschüssige Ware stehen lässt. Die Prozesse für ASN und Frachtbuchung müssen sauber aufgesetzt sein, bevor man startet.
Bei steigendem Volumen FTL und Drop-Trailer aktiv ansprechen
Amazon Freight im WePay-Modell ist die Eintrittskarte zu weiteren Skalierungsprogrammen. Wer regelmäßig ganze LKWs füllen kann, sollte aktiv nach Full-Truckload-Routing fragen – das senkt die Kosten pro Einheit gegenüber Teilladungen. Sehr große Vendoren können Drop-Trailer-Programme prüfen, die starre Abhol-Zeitfenster eliminieren. Diese Programme werden selten von allein angeboten – wer das Volumen hat, sollte sie im Gespräch mit dem Vendor Manager proaktiv thematisieren.
Acapulco & Freight in der Co-op-Gesamtbilanz betrachten
Acapulco-Abschlag und Freight-Allowance sind Teil des Co-op-Gefüges – neben PICS, AVS, Volume Incentives und anderen Posten. Die einzelnen Abzüge wirken klein, summieren sich aber. In der jährlichen Verhandlung sollten alle Co-op-Posten gemeinsam betrachtet und gegen den Gesamtnutzen gerechnet werden – nicht jeder isoliert. Gerade die Freight-Allowance ist ein zentraler Verhandlungshebel: Wer Amazon planbares Palettenvolumen liefert, hat Argumente für bessere Konditionen im Gesamtpaket.
Fazit: Ein Effizienz-Duo für volumenstarke Vendoren
Acapulco und Amazon Freight adressieren zwei verschiedene Teile der Vendor-Logistik – die Bestellstruktur (sortenreine Paletten pro ASIN) und den Transport (Amazons eigene Spedition) – und greifen ineinander. Vendoren, die beides kombinieren, berichten von drastisch reduzierten Chargebacks, schnellen Anlieferzeiten um 1,5 Tage und spürbar weniger Arbeitsaufwand.
Der Preis ist ein Konditionsabschlag von typischerweise rund 5 % für Acapulco plus der verhandelten Freight-Allowance bei WePay. Ob sich das lohnt, hängt von einer ehrlichen Gegenrechnung ab: Für volumenstarke ASINs mit bisher hohen Chargeback-Raten und Paketversand ist die Rechnung oft klar positiv. Wie immer im Vendor-Geschäft gilt: Die Programme gehören in die jährliche Verhandlung – und in eine ganzheitliche Logistikstrategie, die auch PICS, WePay und die Skalierungsprogramme mitdenkt.