Amazon Born to Run (B2R) – Bestellungen über Vendor Central auslösen

Eine große Herausforderung für viele Amazon Vendoren ist die Out of Stock (OOS) Situation durch nicht ausgelöste Bestellungen von Amazon.

Vendoren können im Gegensatz zu Sellern (FBA) nur begrenzt Einfluss auf die Lagerbestandssituation bei Amazon nehmen.

Um Produkte auf Amazon verkaufen zu können, müssen im Vendor Programm Bestellungen von Amazon selbst initiiert werden. Amazons Bestellalgorithmus schaut sich für die Entscheidung der Bestellung hier als größten Faktor den Forecast der nächsten Wochen an. Dieser basiert auf historischen Daten des Abverkaufs.

Problematisch wird es also unter anderem bei Produkt-Launches, wo Amazon auf keine historischen Daten zugreifen kann. Hier kann sich die Produkteinführung auf Amazon verzögern, wenn Amazon die neuen Produkte nicht vorbestellt. Um diesem und weiteren Problemen in Bezug auf Bestellungen aus dem Weg gehen zu können, hat Amazon das Born to Run Programm in Vendor Central gestartet.  

Das wichtigste zum B2R-Programm im Überblick: 

Die Markteinführung eines Produkts, sowie die Steigerung im Amazon-Ranking-System ist eine Herausforderung für viele Anbieter. Wenn die historischen Verkäufe noch gering sind, muss Amazon erst einmal dazu gebracht werden, mehr Lagerbestand zu kaufen.

Es besteht die Gefahr, dass Amazon das Produkt nicht, oder nur in sehr geringen Mengen bestellt und somit das Produkt nicht ausreichend auf Lager ist. Dies kann dazu führen, dass Anbieter neuer Produkte nicht die Buy-Box erhalten und so erste Kampagnen und Marketingstrategien nicht gestartet werden können.

Bereits vertrieben Produkte fallen stetig im Amazon-Ranking und tauchen so in immer weniger Suchanfragen auf. Ergo können keine Sales generiert werden, um eine neue Bestellung seitens Amazons auszulösen. 

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, gibt Amazon Vendoren die Möglichkeit eine B2R-Bestellung auszulösen, um eigenständig einen Vorschlag für eine Bestellung an Amazon zu übermitteln. Mit einem maximalen Budget von 50.000 US-Dollar kauft Amazon Inventar eines Produktes.

Das B2R Programm von Amazon verlangt im Gegenzug von Lieferanten, 10 Prozent des Einkaufswerts in Werbung auf AMS zu investieren, sodass die Produkte auch schnellstmöglich abverkauft werden.  

Anforderungen Für Vendoren: 

Die folgenden Anforderungen und Optionen sind im Umgang mit B2R Bestellungen zu beachten: 

Einheiten, die sich nicht innerhalb von 10 Wochen verkaufen, unterliegen Rückgabe- oder Einbehaltungsgebühren. 

Diese 70-Tage andauernde „Sell-Through period“ oder auch „Durchverkaufsfrist“ beginnt 20 Tage nach dem Einreichungsdatum Ihrer Born-To-Run Bestellung um die Transportvorlaufzeit zu berücksichtigen. Anschließend können Sie aus zwei Möglichkeiten wählen: 

  • Amazon schickt Ihnen die nicht verkauften Einheiten zuzüglich der Standard Versand- und Bearbeitungsgebühren zurück und erstattet 100% der Produktkosten.  

oder: 

  • Amazon behält nicht verkaufte Einheiten, dafür bezahlen Sie eine „Retention Fee“ in Höhe von 25% des Einkaufspreises der nicht verkauften Produkte.  

Zu beachten ist, dass die Standardbedingungen von Amazon für die Rücksendung defekter oder beschädigter Ware weiterhin gelten. 

Außerdem ist wichtig, dass nicht verkaufte Bestände nach Ablauf der 10-Wochen-Sell-Trough-Periode basierend auf ihrer ausgewählten Präferenz, die Sie bei der Anmeldung zum Born to Run-Programm ausgewählt hatten, bearbeitet werden. Heißt es ist nicht möglich über Angebote für unverkauften Bestand den Abverkauf zu beschleunigen. 

Im Idealfall werden schon vor Ablauf der Durchverkaufsfrist neue Bestellungen durch das automatisierte Bestellsystem von Amazon ausgelöst. Das Born-To-Run Programm dient also primär als Starthilfe für Produkte. 

 

Zugriff auf das Born to Run Programm: 

Das B2R Programm von Amazon ist ein auf Einladung basierendes Programm und stellt bestimmte betriebliche und wirtschaftliche Anforderungen an den Vendor. So sichert sich Amazon ab, optimale Anbietererfahrung und Ergebnisse zu erzielen.  

Im Anmeldungsprozess müssen Sie lediglich Ihre Präferenz hinsichtlich der Retouren der nicht verkauften Ware angeben. Der bestehende Vertrag mit Amazon wird anschließend mit Ihren Angaben ergänzt. Diese betreffen nur die für B2R angemeldeten ASINs und nur auf Purchase Order (PO) Ebene.

Falls Sie sich für die 25% Einbehaltungsgebühr entschieden haben, wird ein seperates „Straight Payment“ Agreement angehängt, welches Sie bestätigen müssen. Die Einbehaltungsgebühr in Höhe von 25% der Kosten aller nicht verkauften Ware wird in der darauffolgenden Zahlung an Sie verrechnet.  

Aufsetzen einer B2R-Bestellung: 

Die Bestellung kann im Vendor Central Account unter > Bestellungen > Vom Lieferanten initiierte Bestellungen > Born to Run eingereicht werden. Amazon prüft anschließend die Bestellung und kann diese an- oder ablehnen.

In erster Linie prüft Amazon die Rentabilität der angegebenen Bestellung aber auch andere Faktoren fallen in die Entscheidung. So sollte unter anderem, der Amazon Advertising Account seit mindestens 90 aktiv genutzt werden und das Produkt kein Sperr- oder Gefahrengut sein. 

Fazit: 

Das Born-to-Run Programm von Amazon eignet sich perfekt für Produkt-Launches oder für Produkte, bei denen sich Hersteller und Marken sicher sind, dass sich diese besonders gut verkaufen und die Mengen des Amazon Forecast übertreffen werden. Beispielsweise bei sehr saisonalen Produkten oder bei erhöhten Marketing-Aktivitäten.

So wird ein schneller und sicherer Produktlaunch garantiert und kann bei bereits vorhandenen Produkten zu einem erhöhten Absatz führen. Wenn durch die Initiierung der Bestellungen tatsächlich mehr auf Amazon abgesetzt wird, wird der Algorithmus aktiv und veranlasst daraufhin – außerhalb des Born to Run Programms – mehr Bestellungen. Das Programm kann dazu beitragen, dass verkaufsstarke Produkte jederzeit auf Lager sind und Ihre Out of Stock (OOS) Raten optimieren.